Anfang Mai zeigte die Europäische Kommission (EC) – in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – Führung und organisierte eine Geberkonferenz (bei der sich die USA nicht beteiligte), um öffentliche Forschungsgelder für COVID-19-Interventionen zu sammeln. Dieser Schritt zu einer bedarfsorientierten Forschungsförderung ist richtungsweisend und wird (hoffentlich) nicht nur medizinische Erfolge, sondern auch regulatorische Effekte nach sich ziehen. Insgesamt wurden international bislang 7,4 Milliarden Euro öffentliche Forschungsgelder für Covid-19-Interventionen bereitgestellt, davon alleine 4 Milliarden aus Europa. Hier gilt es nun zu steuern: öffentliche Forschungs- und Entwicklungsförderungen werden nur mit vorab definierten Konditionen vergeben (Open Science Praktiken, lizenzfreien Verfügbarkeiten). Auch eine Re-Regulierung des Patentschutzes hat zu erfolgen. Ob Patentschutz bloß noch dazu dient eine exzessive Preispolitik zu rechtfertigen oder ob dieser tatsächlich innovationsfördernd wirkt, wird mittlerweile offen und auf höchster politischer Ebene diskutiert. Neue Modelle zur Entwicklung von Arzneimitteln werden bereits in einigen Covid-19 Initiativen gelebt – mit Zielen und Meilensteinen bei der Entwicklung und vorab festgelegten Konditionen zum Marktzugang. Über eine vollkommene Entkoppelung der Arbeitsschritte in der Wertschöpfungskette wird längst weltweit debattiert.
Die Möglichkeiten jetzt nachhaltige Zeichen zu setzen, gestalten sich mannigfaltig: Angefangen bei der Verlagerung von Forschungsprioritäten auf Public-Health relevante Themen, wo auch nicht medizinische Interventionen Beachtung finden, über rechtliche Auflagen bei öffentlicher Forschungsförderung bis hin zur Verlagerung der Produktion von wichtigen medizinischen Produkten zurück nach Europa. Allerdings ist für all diese Ansätze eine deutlich aktivere Rolle der Staatengemeinschaften bei der Entwicklung und Prüfung von Medikamenten entscheidend.
Priv. Doz. Dr. Claudia Wild, Geschäftsführerin des Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA)
Policy Research Cures: https://www.policycuresresearch.org/covid-19-r-d-tracker
Der CSRS ist ein Drahtgeflecht, das auf einem individuell angepassten, sanduhrförmigen Ballonkatheter vormontiert und unter Lokalanästhesie über die Jugularvene an seinen Platz gebracht wird, mit dem Ziel eine fokale Verengung im Lumen des Koronarsinus (CS) zu erzeugen. Die Wirkungsweise des CSRS soll wie eine reverse Angioplastie funktionieren: Durch den CSRS wird eine Engstelle im Bereich des Blutabflusses geschaffen. Sobald der Stent mit dem Gewebe verwachsen ist, soll so die Perfusion der ischämischen Bereiche des Myokards gesteigert werden.
Zur klinischen Wirksamkeit wurde eine randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) mit 104 Patient*innen (52 je Interventions-/Kontrollgruppe, Beobachtungszeitraum: 6 Monate) eingeschlossen. Endpunkte mit einem statistisch signifikanten Unterschied (CSRS vs. Scheinprozedur) waren eine Steigerung des Canadian Cardiovascular Society (CCS) Angina Score von mindestens zwei Klassen nach sechs Monaten, eine Steigerung des CCS Angina Score um eine Klasse, eine gesamte mittlere Reduktion der CCS Klasse und eine Steigerung der Lebensqualität, gemessen mittels Seattle Angina Questionnaire (SAQ). SAQ Behandlungszufriedenheit, Gesamtverlängerung der Belastungsdauer, und Steigerung des Wall Motion Index wiesen hingegen keine statistische Signifikanz auf. Für die Analyse der Sicherheit wurden sieben Studien eingeschlossen. Darunter der zuvor beschriebene RCT, vier prospektive Fallserien und zwei prospektive Registerstudien. Von insgesamt 400 Patient*innen, erhielten 348 einen CSRS. Das Follow-up wurde in einem Zeitrahmen zwischen vier und 24 Monaten durchgeführt. Beim RCT traten in der Interventionsgruppe (19 %) weniger schwerwiegende Nebenwirkungen des Produktes (SADEs) auf als in der Kontrollgruppe (46 %). In den Beobachtungsstudien variierte die Rate der SADEs (häufigste: Todesfälle und stabile Angina) zwischen 0 und 30%.
Offene Fragen ergaben sich hinsichtlich Wirkmechanismus, Placeboeffekt, Fallzahl und Randomisierungsprozess, Inkonsistenz zwischen Ergebnissen und inadäquaten Einschlusskriterien. Bei der Interpretation der Sicherheitsergebnisse sollten Fragestellungen zu potentiellen SADEs, die Blockade des CS für zukünftige Therapien und die zu geringen Angaben von Komplikationen in Zusammenhang mit der zweifachen Thrombozytenaggregationshemmung berücksichtigt werden. Um den CSRS in der klinischen Routine zu etablieren, werden umfangreichere RCTs, welche den Effektschätzer beeinflussen könnten, benötigt. Daher wird die Aufnahme in den Leistungskatalog derzeit nicht empfohlen. MS
LBI-HTA (AIHTA)/AT 2020: Percutaneous Transvascular Implantation of a Coronary Sinus Reducing Stent. Decision Support Document No. 121. http://eprints.aihta.at/1256
Prostatakrebs geht von den Drüsen der Prostata aus und kann in niedriges, moderates oder hohes Risiko eingestuft werden. Die VTP-Therapie mit Padeliporfin ist seit November 2017 durch die Europäische Arzneimittelagentur für die Behandlung von Niedrig-Risiko-Prostatakrebs zugelassen. Dabei wird in einem ersten Schritt der gefäßwirksame Photosensibilisator Padeliporfin (4 mg/kg) über zehn Minuten intravenös verabreicht. Anschließend wird der Photosensibilisator durch Laserlicht über transperianale interstitielle optische Fasern in der Prostata aktiviert, was folglich zum Absterben der Krebszellen innerhalb weniger Tage führt.
Bzgl. Wirksamkeit (VPT mit Padeliporfin vs. aktive Überwachung) wies die verfügbare Evidenz (1RCT (24 Monate) + Follow-Up-Studie (48 Monate), 413 Patienten) keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Studiengruppen bzgl. prostatakrebsspezifischer Überlebensrate, Gesamtüberleben und Lebensqualität nach 24 bzw. 48 Monaten auf. Statistisch signifikante Verbesserungen in der VTP-Gruppe wurden hinsichtlich dem Fortschreiten der Krankheit, der Progressionszeit, der Anzahl an negativen Biopsieresultaten nach 24 Monaten, sowie in Bezug auf die Notwendigkeit von radikalen Therapien nach 24 bzw. 48 Monaten ermittelt. Für die Sicherheitsanalyse konnte eine zusätzliche einarmige Studie (6-42 Monate) mit insgesamt 68 Patienten eingeschlossen werden. Im Vergleich zur aktiven Überwachung kam es bei einer VPT mit Padeliporfin zu einer erhöhten Häufigkeit von unerwünschten (schwerwiegenden) Nebenwirkungen. Die meisten Nebenwirkungen (beispielsweise erektile Dysfunktion, Symptome der unteren Harnwege und perianale Schmerzen) wurden jedoch als mild bis moderat eingestuft.
Aufgrund der selektiven Ergebnisberichterstattung und der teilweise nicht nachvollziehbar berichteten Anzahl der „Loss to follow-up“ zeigten die eingeschlossenen Studien eine niedrige bis moderate Evidenzqualität und ein teilweise hohes Verzerrungspotenzial. Daher kann für den Vergleich VTP-Therapie mit Padeliporfin versus aktiver Überwachung keine verlässliche Aussage hinsichtlich der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit getroffen werden. Für den Vergleich VTP-Therapie versus radikaler Therapien konnte keine Evidenz identifiziert werden. Neue Studienergebnisse, insbesondere aus Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen (z.B. zehn Jahre) werden die Ergebnisse zur klinischen Wirksamkeit und Sicherheit maßgeblich beeinflussen. Aktuell gibt es laufende randomisierte kontrollierte Studien, deren Ergebnisse für eine mögliche verlässlichere Aussage abzuwarten sind. Aus diesem Grund wird die Aufnahme der VTP-Therapie mit Padeliporfin in den Leistungskatalog derzeit nicht empfohlen. SW/NG
LBI-HTA (AIHTA)/AT 2020: Vascular-targeted photodynamic therapy with padeliporfin (Tookad® Soluble). Decision Support Document No. 123. http://eprints.aihta.at/1258
Sondenlose Herzschrittmacher sind miniaturisierte, in sich geschlossene Herzschrittmacher, die dieselben Funktionen wie herkömmliche Herzschrittmacher erfüllen sollen, aber zur Gänze in die rechte Herzkammer implantiert werden können. Daraus erwartet man den Vorteil, dass Komplikationen im Zusammenhang mit der Implantation des externen Generators in einer subkutanen Hauttasche und den transvenösen Sonden für die Impulsübertragung, die bei konventionellen Herzschrittmachern notwendig sind, vermieden werden.
Insgesamt konnten 16 neue relevante Dokumente (zu 2.976 Patient*innen) zu drei laufenden prospektiven multizentrischen Einzelarmstudien, zu einer multizentrischen Fall-Kontroll-Studie und zu weiteren fünf kleinen monozentrischen Fallserien eingeschlossen werden. Ergebnisse zur Wirksamkeit im Hinblick auf kardiale Arrhythmien oder zur Belastungsfähigkeit lagen in den Studien weiterhin nicht vor. Die Mortalität mit Bezug zum Eingriff oder Implantat wurde in 7 Studien (2915 Patient*innen, Follow-Up 24 Monate) mit 0,2% (n=7) angegeben. Die Lebensqualität (HrQoL) verbesserte sich signifikant im Vergleich zu einem konventionellen Einkammer-Schrittmacher. Bzgl. Sicherheit konnte eine kürzlich publizierte Propensity score-matched Analyse statistisch signifikante geringere Komplikationsraten innerhalb von 800 Tagen nach Implantation für die Gruppe mit sondenlosen Schrittmachern feststellen.
Es konnte ein laufender RCT zur Implantation eines sondenlosen Herzschrittmachers im Vergleich zu einem konventionellen Schrittmacher bei Personen mit perkutanem Aortenklappenersatz identifiziert werden (Studienende: Dezember 2020). Aufgrund des vorteilhaften Sicherheitsprofils wird eine Aufnahme in den Leistungskatalog mit Einschränkungen (nur ausgewählte Patient*innengruppen nach sorgfältigem Risiko-Assessment und unter umfangreicher Dokumentation) empfohlen. OS
LBI-HTA (AIHTA)/AT 2020: Leadless pacemaker for right ventricle pacing. Decision Support Document No. 97. Update 2020. http://eprints.aihta.at/1252
Myome stellen allgemein die Hauptindikation für eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) dar, obwohl viele Frauen zumeist eine weniger invasive und unteruserhaltende Intervention bevorzugen. Neben der definitiven Entfernung des Uterus (Hysterektomie) oder gebärmuttererhaltenden Verfahren (MyomekMRgFUs, UAO, UAE, USgFUS/USgHIFU) ist die TFA eine weitere uteruserhaltende, zumeist ambulant durchgeführte Intervention. Bei der TFA wird unter Verwendung von Radiofrequenzenergie (RF) eine koagulative Nekrose des Gewebes verursacht, um das Volumen und die assoziierten Symptome von uterinen Leiomyomen zu reduzieren.
Es wurden keine vergleichenden Studien identifiziert - daher bestand die Evidenzbasis zur Bewertung aus drei prospektiven einarmigen Studien mit insgesamt 234 Patientinnen. Hinsichtlich der Reduktion von Menstruationsblutungen kam es in zwei Studien zu einer Verringerung nach 3 und 12 Monaten im Vergleich zu den Ausgangswerten. Zwei Studien berichteten über eine Verbesserung des Symptomschweregrads nach 12 Monaten. Verbesserungen über 12 Monate hinaus sind unbekannt. Zwei Studien berichteten noch über die Reinterventionsrate. Sie bewegte sich in einer Bandbreite von <1 % (über 6 Wochen Nachbeobachtung) bis 11,8 % (nach 5 Jahren Nachbeobachtung). In der größten vorliegenden Studie erlebten bis zu 50% der Patientinnen irgendeine Art von unerwünschtem Ereignis. Die Rate aller spezifischen unerwünschten Ereignisse war gering. Über die langfristige Sicherheit von TFA (über 12 Monate hinaus) wurde in keiner Studie berichtet.
Die Qualität der Evidenz hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit wurde für alle relevanten Endpunkte als niedrig oder sehr niedrig eingestuft. Zum einen war dies auf die inhärenten Einschränkungen von einarmigen Studien zurückzuführen, d.h. auf das Versäumnis, Störfaktoren zu beschreiben, und zum anderen auf die Verwendung von unverblindeten, von Patientinnen berichteten Endpunkten. Aufgrund der niedrigen Qualität der Evidenz sind vergleichende Studien der TFA bei symptomatischen Myomen notwendig, damit eine verlässliche Aussage hinsichtlich der klinischen Wirksamkeit und Sicherheit gemacht werden kann. Daher wird die Aufnahme in den Leistungskatalog derzeit nicht empfohlen. CS
ASERNIP-S/AUS und LBI-HTA (AIHTA)/ AT 2020: Intrauterine ultrasound-guided transcervical radiofrequency ablation. Decision Support Document No. 120. http://eprints.aihta.at/1255
Zytokine spielen eine wichtige Rolle in der Immunreaktion und können bei einer Blutvergiftung zu lebensbedrohlichem Blutdruckabfall und Organversagen führen. ECAT soll dabei gezielt als Zusatzmaßnahme in den folgenden Indikationen eingesetzt werden, um die Zytokinkonzentration im Blut zu reduzieren: Einerseits therapeutisch bei Blutvergiftung und anderseits präventiv, im Zuge komplexer herzchirurgischer Interventionen mit einer Herzlungenmaschine, bei der ein Risiko einer SIRS (Systemic Inflammatory Response Syndrome) besteht.
Um die derzeitige Evidenz von ECAT zu überprüfen wurde eine systematische Übersichtsarbeit zu Wirksamkeit und Sicherheit von ECAT im Vergleich zur Standardbehandlung erstellt. Es wurde Evidenz aus insgesamt sieben randomisierten Kontrollstudien gefunden, wovon fünf Studien (197 Patient*innen) den Einsatz von ECAT als präventive Maßnahme bei kardiologischen Operationen und zwei weitere Studien (120 Patient*innen) den therapeutischen Einsatz von ECAT bei Patient*innen mit Sepsis oder septischem Schock evaluierten. Die Qualität der Evidenz war sehr niedrig, was vor allem auf unzureichende Präzision der Resultate der patient*innenrelevanten Endpunkte innerhalb der Studien und das hohe Verzerrungspotenzial in sechs der sieben Studien zurückzuführen ist. Die gegenwärtige Studienlage lässt daher keine Rückschlüsse zu, ob die Verwendung von ECAT als Zusatzmaßnahme in der Herzchirurgie oder bei der Behandlung von Sepsis wirksamer und zumindest gleich sicher als die Standardversorgung ist.
Es ist ausreichend darauf hinzuweisen, dass gut designte randomisierte Kontrollstudien mit hoher Qualität essentiell sind, um einen etwaigen Zusatznutzen von ECAT eruieren zu können. Auf Basis der Durchsicht der Studienregister gibt es derzeit Studien, die potentiell dafür geeignet wären. In Anbetracht der verfügbaren mangelhaften Evidenz sollten Ergebnisse aus diesen laufenden Studien abgewartet werden. Die Aufnahme in den Leistungskatalog wird derzeit nicht empfohlen. GG
LBI-HTA (AIHTA)/AT 2020: Extracorporeal cytokine haemadsorption therapy in patients with sepsis or SIRS. Decision Support Document No. 106. Update 2020. http://eprints.aihta.at/1253
Die am häufigsten verwendete Anwendung ist das Synergo®-System, bei dem die HT durch direkte Radiofrequenz-induzierte Bestrahlung des Urothels verabreicht wird. Die Behandlung besteht in der Regel aus zwei 20-30-minütigen Sitzungen und zielt darauf ab, während mindestens 20 Minuten pro Sitzung eine Temperatur von über 41°C zu erreichen. Es gibt prophylaktische und ablative Protokolle, die beide aus einer Reihe von Behandlungen bestehen. Synergo® ist seit 2001 CE-zertifiziert und in einigen europäischen Ländern sowie in Israel, der Türkei, Brasilien und China (seit Mitte 2020) erhältlich.
Zur Bewertung der Wirksamkeit von RF-CHT wurden vier RCTs und ein NRCT eingeschlossen (503 Patien*innen, davon 243 mit RF-CHT). Unter den kontrollierten Studien waren 2 Single-Center-Studien. Für die Bewertung der Sicherheit wurden zusätzlich 11 Fallserien eingeschlossen. Unterschiede in der Gesamtüberlebenszeit waren in den berichteten Studien nicht signifikant. Hingegen wurden bei Krankheitsspezifischem- und Krankheitsfreiem Überleben statistisch signifikante Unterschiede festgestellt. Außerdem wurde von 45 schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen in den Fallserien berichtet.
Insgesamt wurde die Evidenz als niedrig (Wirksamkeit) bis sehr niedrig (Sicherheit) eingestuft. Aktuell laufen zwei einarmige Studien zur Wirksamkeit des Synergo®-Systems – jedoch keine RCTs. Die vorliegende Evidenz ist heterogen und war zu gering um eine Empfehlung gegenüber alternativen Behandlungsoptionen oder Scheinverfahren abgeben zu können. Deshalb wird eine Aufnahme in den Leistungskatalog nicht empfohlen. OS
LBI-HTA (AIHTA)/AT 2020: Radiofrequency-induced Intravesical Chemotherapy for Non-Muscle-Invasive Bladder Cancer. Decision Support Document No. 122. http://eprints.aihta.at/1257
Das Klassifikationsschema der „New York Heart Association (NYHA)“ unterscheidet bei der Herzinsuffizienz zwischen vier Stadien. Die Stadien I und II werden als kompensierte Formen beschrieben, während die Stadien III und IV als mittelschwere bzw. schwere Formen gelten. Für Patient*innen mit einer mittelschweren Herzinsuffizienz (NYHA III) gibt es mit dem CardioMEMS™ HF System ein Implantat, welches eine tägliche Messung des pulmonalarteriellen Drucks zu Hause ermöglicht. Die Messdaten werden anschließend verschlüsselt an die zuständigen Ärzt*innen übermittelt, die gegebenenfalls frühzeitig Maßnahmen setzen können (wie z.B. eine veränderte Medikation), um eine Hospitalisierung zu vermeiden.
Im Zuge der systematischen Übersichtsarbeit wurde einer Evidenzanalyse hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit des genannten Implantats durchgeführt. Dabei standen die Endpunkte (herzinsuffizienzbedingte) Hospitalisierungsraten, Lebensqualität und schwere unerwünschte Ereignisse (Komplikationen) im Vordergrund. Neben vier weiteren themenbezogenen HTAs wurden drei Studien für die Datenextraktion und Evidenzbewertung eingeschlossen. Dabei handelte es sich um eine randomisiert-kontrollierte Studie (die „CHAMPION-Studie“) mit 550 Patient*innen sowie um zwei kontrollierte Beobachtungsstudien mit 2.174 bzw. 77 Patient*innen. Die verfügbare Evidenzlage lieferte Hinweise, dass das CardioMEMS™ HF System für Herzinsuffizienz-Patient*innen (NYHA III) hinsichtlich der herzinsuffizienzbedingten Hospitalisierungen als auch der Krankenhausaufenthalte jeglicher Art wirksamer ist als Standard Monitoring Programme. Zudem wurde eine verbesserte Lebensqualität festgestellt, wobei die klinische Relevanz vor dem Hintergrund der erhobenen Gruppenunterschiede kritisch zu betrachten ist. Hinsichtlich der schweren unerwünschten Ereignisse fand sich in der eingeschlossenen Literatur nur eine geringe Anzahl an Komplikationen. Allerdings wurde hier nur über einen sehr kurzen Beobachtungszeitraum berichtet.
Insgesamt deckten sich die Bewertungen hinsichtlich der Endpunkte zu Wirksamkeit und Sicherheit weitgehend mit den zuvor genannten HTAs. Die Evidenzlage ist vorrangig durch das Vorliegen eines bisher nur einzigen RCTs limitiert. Zudem zeigten die beiden Beobachtungsstudien teils beträchtliche Verzerrungspotentiale. Die Aufnahme in den Leistungskatalog wird deshalb (nur) mit Einschränkung empfohlen Eine zusätzliche Recherche ergab eine Reihe an aktuell laufenden Studien – mit teils sehr umfangreichen Studienpopulationen - die innerhalb der nächsten drei Jahre Langzeitdaten zum Einsatz des CardioMEMS™ HF Systems liefern werden. RW
LBI-HTA (AIHTA)/AT 2020: Implantation of a wireless pulmonary artery pressure sensor in patients with advanced heart failure. Decision Support Document No. 119. http://eprints.aihta.at/1254
17./18. November 2020
23. wissenschaftliche Jahrestagung der ÖGPH
"Sozialkapital - Sozialer Zusammenhalt stärkt die Gesundheit"
Graz
https://oeph.at/23-wissenschaftliche-jahrestagung-der-oegph
02. Dezember 2020
14. Symposium zur Integrierten Versorgung
„Sinn oder Unsinn von Anreizsystemen“
Wien
https://www.cciv.at/cdscontent/?contentid=10007.858603&portal=ccivportal
24. bis 26.Februar 2021
EbM-Kongress 2021
„Who cares? – EbM und Transformation im Gesundheitswesen“
Halle/ Saale
Impressum
Redaktion: Claudia Wild/ CW, Ozren Sehic/OS
CS: Christoph Strohmaier
GG: Gregor Götz
MS: Michal Stanak
NG: Nicole Grössmann
OS: Ozren Sehic
RW: Roman Winkler
SW: Sarah Wolf