Auf Basis eines Beschlusses der Bundeszielsteuerungskommission haben wir im Auftrag des BMASGPK in einem wissenschaftlichen Konsortium, dem neben der Technischen Universität Wien auch die Medizinische Universität Wien und die Gesundheit Österreich GmbH angehören, in Österreich empfohlene, aber bisher nicht refundierte Impfungen modelliert und in unterschiedlichen Szenarien verglichen. Die Ergebnisse dienen als Entscheidungsgrundlage, welche Impfungen prioritär in das österreichische Impfprogramm aufgenommen werden sollen. Ein ebenso großes wie motiviertes Sounding Board, bestehend aus institutionellen Stakeholdern quer durch alle wissenschaftlichen Disziplinen, hat das Projekt begleitet und unterstützt.
Gemeinsam mit dem nationalen Impfgremium wurden erstmals vergleichbare strukturierte Fragestellungen im standardisierten PICO-Format für alle festgelegten Interventionen definiert. Darauf aufbauend wurden multidimensionale Outcomes für den intra- und extramuralen Bereich festgelegt. Die Priorisierung der Impfungen erfolgt nicht durch das Simulationsmodell. Vielmehr wurde eine Matrix generiert, anhand derer Entscheider:innen unterschiedliche Interventionen, Outcomes und Szenarien für variierende Durchimpfungsraten auswerten und diskutieren können. Die Büchse der Pandora vor Augen habe ich im Projektverlauf nicht nur einmal gefragt: „Wollt ihr das wirklich …?“
Ein wesentlicher Vorteil des gewählten Ansatzes ist, dass alle Parameter und Daten – soweit vorhanden – aus Österreich stammen und somit vergleichbar sind. Damit wurde ein erster Schritt gesetzt, um die konkrete österreichische Ausgangslage korrekt abzubilden und diese nicht aus internationalen Studien abschätzen zu müssen. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man etwa an die eingeschränkte Datenlage zu Durchimpfungsraten oder gar Immunisierung denkt. Zudem ist es für das Modell erforderlich, Kosten für Behandlungspfade vermiedener Erkrankungen abzubilden. Eine Herausforderung, die so schwierig wie wichtig ist – und im ersten Schritt nur durch die Beschränkung auf die Haupttherapiewege bewältigt werden konnte. Beeindruckend (und für mich unerwartet) war, dass alle involvierten Stakeholder bereit waren, das Projekt mit Rat und Tat – und, soweit trotz engem Zeitfenster möglich, auch mit Daten zu unterstützen.
Viele Herausforderungen und Fragen sind uns begegnet – und werden uns auch künftig begleiten: Welches Basisszenario kann als geeigneter „Comparator“ gewählt werden? Wie kalkuliert man die Langzeitkosten von Erkrankungen? Erfreulich ist, dass die vorhandene digitale Infrastruktur es ermöglicht, Daten und Annahmen anzupassen und Interventionen iterativ und transparent zu vergleichen und diskutierbar zu machen.
Simulation ist ein nützliches Werkzeug für jene Fälle, in denen die Welt nicht empirisch erfassbar ist. Wenn dieses Werkzeug richtig eingesetzt wird, ist es sehr effektiv darin, verschiedene Strategien vergleichbar zu machen. Und ein weiterer Nebeneffekt: im Zuge des formalisierten Prozesses ein valides und lauffähiges Simulationsmodell zu bauen, offenbart sich schonungslos, über welche Daten wir nicht verfügen – und was wir alles nicht wissen.
DI Niki Popper, PhD – Senior Scientist an der Technischen Universität (TU) Wien
Traumatische Erlebnisse sind ein Prädiktor für psychische Erkrankungen, vor allem für posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen und Angstzustände. Der AIHTA-Bericht zielt darauf ab, die empirischen Belege für die Wirksamkeit von TRT-Programmen in anderen Ländern zusammenzufassen und die Ergebnisse des seit 2018 von der Organisation AFYA an Schulen angebotenen österreichischen TRT-Programms in einen Kontext zu stellen. Die systematische Literaturrecherche identifizierte 12 empirische Studien: sieben randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und fünf Vorher-Nachher-Fallserien mit insgesamt über 1.800 Teilnehmer:innen. In allen Studien wurde festgestellt, dass TRT im Allgemeinen die PTBS-Symptome reduzierte, wobei sich die CRIES-8- oder CRIES-13-Werte nach der Intervention um 3 bis 14 Punkte und bei der Nachuntersuchung (3–6 Monate) um bis zu 12 Punkte verbesserten. Zwischen 2018 und 2024 wurde bei AFYA insgesamt mit 1.426 Kindern und Jugendlichen (im Alter von 6 bis 18 Jahren) in 176 TRT-Gruppen gearbeitet. Die Analyse des österreichischen TRT-Programms basiert auf Daten von 372 Teilnehmenden, Kindern und Jugendlichen (im Alter von 6 bis 18 Jahren) mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS): die Analyse ergab eine signifikante Verringerung der PTBS-Symptome nach der Intervention, insbesondere bei unbegleiteten Minderjährigen und Kindern mit hohen Ausgangswerten. Das Programm zeigte eine gute Durchführbarkeit, kulturelle Anpassungsfähigkeit und Akzeptanz bei den Teilnehmenden. Die durchschnittlichen Kosten pro Teilnehmer:in beliefen sich auf € 678 im Jahr 2024.
Die Erkenntnisse stützen das TRT-Programm als wirksame, skalierbare und kostengünstige Intervention zur Verringerung von Traumasymptomen bei Flüchtlingskindern und -jugendlichen. Zukünftige Forschungsarbeiten sollten darauf abzielen, die Evidenzbasis mit längerfristigen Ergebnissen zu stärken, Modifikatoren der Wirkung zu untersuchen und die Einbeziehung unterrepräsentierter Gruppen wie Mädchen zu verbessern.
AIHTA/ AT 2025: Traumabehandlung: Vermittlung der Recovery-Technik (TRT) an Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Systematischer Review und Evaluation des österreichischen TRT-Programms bei AFYA. HTA-Projektbericht 165. https://eprints.aihta.at/1563/.
Aktuell sind fünf unterschiedliche sondenlose Herzschrittmacher-Systeme am Markt verfügbar: Als Einkammer-Schrittmacher der Micra™ VR sowie der Aveir™ VR für rechtsventrikuläre Stimulation, das Micra™ AV für AV-synchrone Stimulation sowie der Aveir™ AR für atriale Stimulation. Als Zweikammer-Schrittmacher der Aveir™ DR, welcher Aveir™ VR und Aveir™ AR kombiniert.
Die Evidenzlage zeigte sich je nach L-PM-Typ sehr unterschiedlich. Für Einkammer-L-PM (VR) wurden ein RCT mit 51 Patient:innen und sieben Kohortenstudien mit insgesamt 18.664 Patient:innen identifiziert. Für AV-synchrone L-PM (AV) lag eine Kohortenstudie mit 118.110 Patient:innen vor. Für die neuen Zweikammer-L-PM (DR) gab es keine Vergleichsstudien. Mehrere große prospektive Kohortenstudien deuten darauf hin, dass der sondenlose Einkammer-Herzschrittmacher zur rechtsventrikulären Stimulation gleich wirksam und zugleich sicherer ist als ein herkömmlicher Einkammer-Herzschrittmacher. Für AV-synchrone L-PM ist die Evidenzlage nicht eindeutig – sie scheinen sicherer, aber möglicherweise weniger wirksam als konventionelle Zweikammer-Herzschrittmacher zu sein.
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für sondenlose Einkammer-Herzschrittmacher wurde als niedrig bis sehr niedrig bewertet, da – mit Ausnahme eines kleinen RCT – ausschließlich Kohortenstudien vorlagen. Für das sondenlose Zweikammer-Herzschrittmacher-System standen lediglich Daten aus einer unkontrollierten Fallserie zur Verfügung, was als unzureichend bewertet wurde. Da die Ergebnisse von drei RCTs Ende 2027 vorliegen sollen, wird eine erneute Evaluierung im Jahr 2028 vorgeschlagen.
AIHTA/AT 2025: Sondenlose Herzschrittmacher. 3. Update 2025. Decision Support Document No. 97/3 Update 2025. https://eprints.aihta.at/1568.
Ein temporäres Nitinol-Implantat (engl. temporary implantable nitinol device/TIND) ist ein minimal-invasives Verfahren, das bei BPH zur Anwendung kommen kann: Das Implantat wird für fünf bis sieben Tage zystoskopisch in die prostatische Harnröhre eingebracht, wo es expandiert und radialen Druck ausübt, um den Harnabfluss zu verbessern. TIND ergänzt damit das Spektrum bestehender medikamentöser und chirurgischer Therapien.
Zur Bewertung wurde Evidenz aus einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) mit 185 Teilnehmern sowie einer einarmigen Anwendungsstudie eingeschlossen. Der RCT verglich TIND mit einem Scheinverfahren über einen Beobachtungszeitraum von drei Monaten. Dabei zeigte sich eine statistisch signifikante Verbesserung der LUTS-Symptome (Lower Urinary Tract Symptoms) in der TIND-Gruppe gegenüber Sham. Gleichzeitig wurde jedoch eine höhere Rate an unerwünschten Ereignissen beobachtet, darunter Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen), Hämaturie (Blut im Urin) und Harnverhalt.
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde als sehr niedrig bewertet. Ausschlaggebend dafür waren das hohe Verzerrungspotenzial infolge der hohen Drop-out-Rate (ca. 30?%), die eingeschränkte Übertragbarkeit des Vergleichs sowie die geringe Präzision der Ergebnisse. Die gegenwärtige Studienlage lässt keine Rückschlüsse auf die vergleichende Wirksamkeit und Sicherheit von TIND gegenüber etablierten Therapien zu. Aufgrund des Fehlens von direkten Vergleichen und Langzeitdaten konnte ein Zusatznutzen nicht belegt werden.
AIHTA/AT 2025: Temporäres intraprostatatisches Nitinol-System zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie. Decision Support Document No. 129/1 Update 2025. https://eprints.aihta.at/1569.
Bei der IZT werden Inselzellen aus der eigenen (autolog, meist bei CP) oder einer Spender:innenbauchspeicheldrüse (allogen, bei T1D) isoliert und in die Pfortader injiziert, wo sie Insulin produzieren. Bei CP erfolgt dies meist im Zuge einer Pankreatektomie, bei T1D zur Substitution von exogenem Insulin. Eine IZT ist auch bei Patient:innen mit diabetischer Nephropathie mit oder ohne Nierentransplantation möglich.
Insgesamt wurden elf prospektive Studien eingeschlossen, verteilt auf drei Patient:innengruppen: drei Fallserien zu CP-Patient:innen nach totaler Pankreatektomie; eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT), zwei nicht-randomisierte kontrollierte Studien (NRSI) und drei Fallserien zu T1D mit Hypoglykämien und vorangegangener Nierentransplantation; sowie eine NRSI und zwei Fallserien zu T1D mit Hypoglykämien ohne Nierentransplantation. Die Ergebnisse von drei Fallserien zeigten, dass sich das Schmerzempfinden und die Lebensqualität nach IZT bei Patient:innen mit CP statistisch signifikant verbesserte. Die Insulinunabhängigkeit variierte jedoch stark zwischen den eingeschlossenen Studien (19% bis 78%). Bei T1D-Patient:innen mit Nierentransplantation zeigte ein RCT, im Vergleich zur konventionellen Insulintherapie, signifikant bessere HbA1c-Werte und weniger Hypoglykämien. Nach einem Jahr waren 59% der IZT-Patient:innen insulinunabhängig. Bei T1D-Patient:innen ohne Nierentransplantation dokumentierte eine NRSI weniger unerwünschte Ereignisse im Vergleich zu Pankreastransplantation. Die Fallserien berichteten ebenfalls eine statistisch signifikante Verbesserung der glykämischen Kontrolle, jedoch mit einem Rückgang der Insulinunabhängigkeit von 42-52% nach einem Jahr auf nur 5% nach drei Jahren.
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde aufgrund methodischer Schwächen für alle Gruppen als sehr niedrig bewertet. Hauptgründe dafür waren das kritische Verzerrungspotenzial, insbesondere bei Störfaktoren, Teilnehmer:innenauswahl und Ergebnisberichterstattung. Insgesamt fehlt es an Evidenz, die auf RCTs basiert, um die patient:innenrelevanten Endpunkte in allen eingeschlossenen Populationen zu bewerten. Derzeit laufen vier RCTs (zwei zu CP, zwei zu T1D), deren Ergebnisse bis 2026 erwartet werden.
AIHTA/AT 2025: Inselzelltransplantation bei Pankreatektomie, Typ-1-Diabetes mit schweren Hypoglykämien und nach Nierentransplantation. Decision Support Document No. 143. https://eprints.aihta.at/1564.
Der Optilume DCB ist derzeit der einzige verfügbare medikamentenbeschichtete Ballon für die transurethrale Behandlung von Harnröhrenstrikturen. Er ist mit Paclitaxel, einem antiproliferativen Wirkstoff, beschichtet und zur Dilatation der anterioren Harnröhre bei erwachsenen Männern zugelassen. Die Methode gilt als weniger invasiv als eine operative Urethroplastik und wurde 2023 in die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie aufgenommen.
Zur Bewertung der Wirksamkeit wurde die randomisierte kontrollierte Studie ROBUST III (n?=?127) herangezogen. Untersucht wurde der Vergleich zwischen dem Optilume DCB und einer Kontrollgruppe, die entweder eine Dilatation oder Urethrotomie erhielt. Nach sechs Monaten waren 75?% der mit Optilume behandelten Männer strikturfrei, gegenüber 27?% in der Kontrollgruppe. Der maximale Harnfluss verbesserte sich unter Optilume signifikant (+4,78?ml/s) und blieb auch nach zwölf Monaten erhöht. Darüber hinaus zeigten sich beim Internationalen Prostata-Symptom-Score (IPSS), dem postmiktionellen Restharnvolumen und der Lebensqualität deutlich stärkere Verbesserungen zugunsten von Optilume. In der ROBUST-III-Studie traten innerhalb der ersten drei Monate keine schwerwiegenden produkt- oder verfahrensbedingten Komplikationen auf. Längerfristige Daten aus den einarmigen Studien ROBUST I und II mit bis zu fünf Jahren Nachbeobachtungszeit zeigten schwerwiegende unerwünschte Ereignisse bei 9?% bzw. 38?% der Patienten, wobei nur ein kleiner Teil als behandlungsbedingt eingestuft wurde.
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde als sehr gering bis gering bewertet. Ausschlaggebend hierfür waren u.a. hohe Crossover-Raten und fehlender Verblindung ab dem sechsten Monat. Zudem bleibt der Effekt des eingesetzte Wirkstoff Paclitaxel im Vergleich zur einfachen Ballondilatation unklar. Eine unabhängige Erprobungsstudie (BALDIKA) ist geplant und soll klären, ob der DCB einem operativen Eingriff überlegen ist. Eine Re-Evaluierung wird empfohlen, sobald diese Studiendaten verfügbar sind.
AIHTA/AT 2025: Medikamentenbeschichteter Ballondilatationskatheter zur transurethralen Behandlung von Harnröhrenstrikturen. Decision Support Document No. 144. https://eprints.aihta.at/1565.
Bei Thermoablationsverfahren handelt es sich um minimalinvasive Verfahren, bei denen sehr hohe bzw. sehr niedrige Temperaturen genutzt werden, um Tumorzellen zu zerstören. Hauptsächlich wird zwischen Mikrowellenablation (MWA), Radiofrequenzablation (RFA), hochintensiver fokussierter Ultraschallablation (HIFU), Laserablation (LA) und Kryoablation (CYA) unterschieden.
Zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Thermoablationsverfahren im Vergleich zur Standardoperation, wurden insgesamt 19 Studien eingeschlossen, darunter eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT), zwei nicht-randomisierte kontrollierte Studien (NRSI) und 16 einarmige Studien. Vergleichende Evidenz lag dabei nur für CYA, MWA und RFA vor. Für HIFU und LA wurden lediglich einarmige Studien identifiziert. Eine NRSI zu CYA mit 20 Patientinnen berichtete eine vollständige Tumorablation bei 90?% und nur zwei geringfügige unerwünschte Ereignisse. In einer NRSI zu MWA mit 132 Patientinnen (33 in der Interventionsgruppe) wurde eine vollständige Tumorablation bei allen behandelten Patientinnen erreicht, ohne Unterschiede bei Gesamtüberleben, krankheitsfreiem Überleben oder Rezidivrate. Ein RCT zu RFA mit 40 Patientinnen wurde vorzeitig abgebrochen, da in der Interventionsgruppe eine erhöhte Rate an unerwünschten Ereignissen beobachtet wurde.
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde als niedrig bis sehr niedrig bewertet. Hauptgründe hierfür waren das hohe Verzerrungspotenzial der einarmigen Beobachtungsstudien sowie das kritische bzw. schwerwiegende Verzerrungspotenzial der NRSI aufgrund eingeschränkter Endpunktbewertung und fehlender Kontrolle von Störfaktoren. In über der Hälfte der Studien wurde der Tumor nach der Ablation zusätzlich reseziert, was die Interpretation der Ergebnisse erschwert, da unklar bleibt, ob die beobachteten Effekte auf die Ablation oder die Resektion zurückzuführen sind. Neue Evidenz könnte die derzeitigen Schlussfolgerungen wesentlich verändern, ist jedoch frühestens 2034 zu erwarten – und das ausschließlich für die Kryoablation.
AIHTA/AT 2025: Thermoablation als primäre oder ergänzende Therapie bei Brustkrebs. Decision Support Document No. 145. https://eprints.aihta.at/1566.
AMIC kombiniert MFx mit einer Biomaterial-Matrix, die einwandernde Zellen aus der subchondralen Schicht einfängt und als temporäre Struktur Stabilität verleiht. Durch Knochenmarkaspirat kann AMIC optimiert werden: Dabei wird aus dem Beckenkamm Knochenmark entnommen, zentrifugiert und so eine Konzentration an Zellen und Wachstumsfaktoren gewonnen, die zusätzliche entzündungshemmende und therapeutische Effekte bieten kann.
Für AMIC erfüllten sieben randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 673 Patient:innen die Einschlusskriterien, wobei sechs Studien MFx und eine Studie ACI als Vergleich heranzogen. Im Vergleich zu MFx zeigten sich teilweise Verbesserungen bei Lebensqualität, Funktion und struktureller Knorpelregeneration. Schmerzreduktion und das Auftreten schwerwiegender unerwünschter Ereignisse waren vergleichbar (0–15,6 % AMIC vs. 0–20,2 % MFx). Im Vergleich zu ACI ergaben sich keine Unterschiede in Wirksamkeit (Funktion, Schmerz, strukturelle Wiederherstellung) oder Sicherheit (unerwünschte Ereignisse). Für AMIC+ erfüllten ein RCT und zwei nicht-randomisierte kontrollierte Studien (NRSIs) die Einschlusskriterien, jeweils mit unterschiedlichen Vergleichsgruppen. Ein RCT mit 24 Patient:innen verglich AMIC+ mit AMIC und fand keine Unterschiede in Wirksamkeit oder Sicherheit. Eine NRSI mit 89 Patient:innen verglich AMIC+ mit MACI und zeigte keine signifikanten Unterschiede – mit Ausnahme der subjektiven IKDC-Funktionsskala, auf der AMIC+ höhere Werte erzielte. Eine weitere NRSI mit 52 Patient:innen verglich AMIC+ mit MFx und berichtete eine Schmerzreduktion sowie teilweise verbesserte Gelenkfunktion; signifikante Unterschiede zeigten sich jedoch nur in bestimmten Ergebnismaßen. Die Sicherheit war in allen Gruppen vergleichbar.
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde für AMIC im Vergleich zu MFx als moderat bis niedrig und im Vergleich zu ACI als sehr niedrig bewertet. Für AMIC+ wurde sie im Vergleich zu AMIC, MACI oder MFx durchgängig als sehr niedrig bewertet. Hauptgründe hierfür waren das hohe Verzerrungspotenzial, insbesondere durch fehlende Verblindung, hohe Drop-out-Raten und kurze Nachbeobachtungszeiträume. Zusätzliche Unsicherheiten bestehen hinsichtlich der langfristigen Wirksamkeit, der Heterogenität von Defektgröße und -lokalisation sowie der Variation der eingesetzten Matrixmaterialien. Künftige Studien könnten mehr Klarheit schaffen und eine fundierte Neubewertung ermöglichen.
AIHTA/AT 2025: Einzeitiger Matrix-assistierter Knorpelersatz mit und ohne Knochenmarkspirat-Konzentrat im Kniegelenk. Decision Support Document No. 146. https://eprints.aihta.at/1567.
25. bis 26. September 2025
10. Österreichischer Primärversorgungskongress 2025:
"Digitale Transformation in der Primärversorgung – Welche Chancen und Risiken ergeben sich dadurch?“
Graz
30. September bis 03. Oktober 2025
28. European Health Forum Gastein 2025
"Rethinking solidarity in health. Healing Europe´s fractured social contract"
Panel on Transparency of public contributions to drug development: 1. Oktober, 9:00
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