De-Implementation of Low-Value-Care – Rapid Review
Project leaders: Reinhard Jeindl
Project team: Reinhard Jeindl, Julia Mayer-Ferbas, Andrea Titieni-Schuhmann
Duration: Q2 to Q4 (5 PM)
Language: English (with German summary)
Hintergrund: Low-Value-Care (LVC) bezeichnet die Erbringung unwirksamer, unangemessener, oder nicht kosteneffizienter Gesundheitsleistungen. Der Begriff LVC umfasst dabei die Über-, Fehl- und Unterversorgung [1]. Durch die Reduktion von LVC können Ressourcen für Leistungen mit höherem Nutzen verwendet werden, um für eine verbesserte Effizienz im Gesundheitssystem zu sorgen [2].
De-Implementierung ist der übergeordnete Prozess, eine klinische Praxis oder Leistung zu reduzieren oder einzustellen [3]. In der Literatur gibt es zahlreiche verwandte Begriffe (de-adoption, disinvestment, decommissioning, exnovation u.a.) [4]. Für dieses Projekt wird Disinvestment als Leitbegriff verwendet: es bezeichnet die vollständige oder teilweise Rücknahme von Ressourcen aus Leistungen, die als unsicher, ineffektiv und/oder ineffizient gelten, mit dem Ziel, diese Ressourcen wirksameren Leistungen zuzuführen [5]. Decommissioning meint die geplante Entfernung, Reduktion und/oder Ersetzung von Gesundheitsleistungen, oft auf der Programm-/Versorgungsebene [6]. Health Technology Reassessment (HTR) ist das strukturierte Instrument, mit dem bestehende Leistungen über ihren Lebenszyklus neu bewertet werden und das einer Disinvestment-Entscheidung die Evidenzgrundlage liefert [7].
International besteht zu wirksamen De-Implementierungsstrategien auf der klinischen Ebene (also wie einzelne Ärzt:innen/Teams dazu bewegt werden, eine LVC-Leistung zu unterlassen) sowie zu deren Barrieren/Förderfaktoren bereits zahlreiche Evidenz [3, 8]. Deutlich weniger systematisch aufbereitet ist hingegen die darüberliegende System-/Prozessebene: (a) wie der Leistungs-/Honorarkatalog selbst gewartet und aktualisiert wird – also der institutionalisierte Ablauf, mit dem ein Zahler LVC im Katalog identifiziert, Reassessments priorisiert, über ein Disinvestment entscheidet und dieses umsetzt [5, 9]– und (b) wie eine solche Disinvestment-Entscheidung an relevante Stakeholder kommuniziert wird. Gerade die Kommunikation gilt als entscheidender Faktor: Disinvestment scheitert in der Praxis oft nicht an der fehlenden Evidenz, sondern an öffentlichem und professionellem Widerstand [6].
Für den österreichischen Kontext ist dies unmittelbar relevant: bis 2019 bestanden in den neun Gebietskrankenkassen unterschiedliche Honorar- und Leistungskataloge mit historisch gewachsenen, teils heterogenen Leistungen. Mit der Zusammenführung zur Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) wird der Honorarkatalog österreichweit harmonisiert. Dieser Harmonisierungsprozess ist nicht nur eine technische Vereinheitlichung, sondern bietet die Gelegenheit, bei der Überarbeitung des Katalogs zugleich systematisch zu prüfen, welche bestehenden Leistungen noch dem aktuellen Evidenzstand entsprechen [9]. Zudem existieren österreichische Arbeiten zur Identifikation und Quantifizierung von LVC-Leistungen [10, 11], an welche direkt angeknüpft werden kann. Eine strukturierte, prozessorientierte Aufbereitung internationaler Erfahrung zur Katalogpflege und zur Kommunikation von LVC-Streichungen kann diesen Prozess gezielt unterstützen.
Projektziele: Ziel des Projektes ist es, internationale Prozesse zur Pflege und Aktualisierung von Leistungs-/Honorarkatalogen systematisch aufzubereiten und in übertragbare Optionen für den österreichischen Kontext zu übersetzen – einschließlich der Frage, wie Disinvestment-Entscheidungen gegenüber den relevanten Stakeholdern kommuniziert werden können.
Ziel dieser Studie ist es nicht, LVC-Leistungslisten zu erstellen, die Wirksamkeit einzelner De-Implementierungs-Strategien neu zu bewerten oder LVC-Prävalenz/-Kosten für Österreich zu quantifizieren.
Forschungsfragen: Zwei Forschungsfragen (FF) sollen beantwortet werden:
FF 1: Welche Prozesse zur Wartung/Aktualisierung von Leistungskatalogen werden in der Literatur und in institutionellen Prozessbeschreibungen beschrieben?
FF 2: Wie können Disinvestment-Prozesse an alle relevanten Stakeholder erfolgreich kommuniziert werden?
Methoden: Zur Beantwortung der Forschungsfragen kommen folgende Methoden zum Einsatz:
FF 1: strukturierte Länderauswahl (Länder mit vergleichbarer Struktur/Organisation des Gesundheitssystems und Länder mit etablierten HTR-Prozessen); strukturierte Handsuche nach grauer Literatur auf Websites von Gesundheitsministerien, Zahlern, HTA-Institutionen (INAHTA Datenbank, HTAi Disinvestment & Early Awareness Interest Group (DEA IG)); qualitative Prozessanalyse; narrative Zusammenfassung; Beschreibung der Übertragbarkeit auf das österreichische Setting.
FF 2: systematische Suche in relevanten Literaturdatenbanken nach systematischen Übersichtsarbeiten (PubMed/MEDLINE, Embase, Epistemonikos, Cochrane Library) und HTA-Berichten (INAHTA-Datenbank) zu delisting, decommissioning, disinvestment communication, stakeholder/public/patient engagement, framing; ergänzende Handsuche; Datenextraktion (Studiencharakteristika, Kontext des Disinvestments, adressierte Stakeholder, Einbindungsformate, Kommunikationsstrategie); thematische Framework-Synthese und Beschreibung der Übertragbarkeit auf das österreichische Setting.
Population-Concept-Context (PCC) Framework:
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Definition für FF1 |
Definition für FF2 |
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Population |
Gesundheits-/Sozialversicherungssysteme bzw. die für Katalogpflege zuständigen Institutionen (Ministerien, Zahler, HTA-Institute) |
Stakeholder von Disinvestment-Entscheidungen: Patient:innen/Öffentlichkeit, Leistungserbringer:innen, Fachgesellschaften, Zahler, Gesundheitspolitik |
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Concept |
Prozesse der Wartung/Aktualisierung von (ambulanten und stationären) Leistungskatalogen; Identifikation, Priorisierung, Reassessment (HTR), Entscheidung und Umsetzung von Disinvestment/Delisting |
Kommunikations- und Engagement-Strategien bei Disinvestment/Delisting: Framing, Einbindungsformate, Timing, Umgang mit Widerstand |
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Context |
Primär DACH/Bismarck-Systeme (DE, CH, NL, FR, BE); sekundär Referenzmodell-Länder mit etablierten HTR-Prozessen; Anwendungsbezug Österreich |
Gesundheits-/Sozialversicherungssysteme, in denen Leistungen aktiv reduziert/gestrichen werden; Anwendungsbezug Österreich |
Zeitplan:
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Zeitraum |
Aufgaben |
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Q2 2026 |
Scoping und Finalisierung des Projektprotokolls |
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Q3 2026 |
Handsuche, Systematische Literaturrecherche |
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Q3 2026 |
Abstract Screening, Volltextanalyse |
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Q4 2026 |
Datenextraktion, Evidenzsynthese, Verschriftlichung, interner Review |
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Q4 2026 |
Externer Review, Finalisierung, Veröffentlichung |















