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- Newsletter Juli/August 2026 | Nr. 249
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Gesundheitslots:innen für Migrant:innen und Flüchtlingen – ein Modell auf dem Prüfstand
Migrant:innen und Flüchtlinge sind beim Zugang zur Gesundheitsversorgung häufig mit Sprachbarrieren, unzureichenden Kenntnissen über Gesundheitsstrukturen sowie administrativen Herausforderungen konfrontiert. Als unterstützender Ansatz haben sich in mehreren Ländern sogenannte Gesundheitslots:innen etabliert. Diese fungieren als kulturell sensible Vermittler:innen zwischen den Zielgruppen und dem Gesundheitssystem und unterstützen beispielsweise bei Terminvereinbarungen, Orientierung im Versorgungssystem oder der Vermittlung von Gesundheitsinformationen.
Für den AIHTA-Bericht wurden sechs wissenschaftliche Datenbanken systematisch durchsucht. Ergänzend erfolgten Recherchen nach grauer Literatur, Websuchen zu Praxisprojekten sowie Interviews und schriftliche Befragungen von Projektverantwortlichen in Deutschland. Insgesamt wurden in der Mixed-Method-Studie fünf Reviews und drei Primärstudien zu Peer-gestützten Navigationsangeboten für Migrant:innen und Flüchtlinge eingeschlossen. Darüber hinaus wurden zwölf aktive Gesundheitslots:innen-Projekte in Deutschland identifiziert und analysiert. Gemeinsame Merkmale sind eine öffentliche Finanzierung, ein gemeindenaher Ansatz, mehrsprachige Kommunikation sowie die Nutzung von Vertrauen und kultureller Nähe als zentrale Erfolgsfaktoren.
Eine erfolgreiche Umsetzung hängt insbesondere von niederschwelligen Zugangswegen, kultureller und sprachlicher Kompetenz der Gesundheitslots:innen, umfassender Schulung, klaren Rollenbeschreibungen, Supervision und Qualitätssicherung sowie einer nachhaltigen Finanzierung ab. Auch die Einbindung in bestehende Gesundheits- und Sozialstrukturen wird als wesentlich angesehen. Herausforderungen bestehen unter anderem in kurzfristigen Finanzierungsmodellen, fehlender Standardisierung der Ausbildungsprogramme und unzureichenden Langzeitevaluationen.
Die verfügbare Evidenz ist heterogen und überwiegend europäisch. Sie deutet auf positive Auswirkungen hinsichtlich Gesundheitskompetenz, Wissen über verfügbare Angebote, Selbstbestimmung, Resilienz sowie Vertrauen in das Gesundheitssystem hin. Zudem berichten viele Projekte von einer hohen Zufriedenheit der Teilnehmenden. Aufgrund kleiner Stichproben, methodischer Einschränkungen und des häufigen Rückgriffs auf qualitative oder selbstberichtete Daten bleibt die Aussagekraft der Evidenz jedoch begrenzt.
Fazit: Gesundheitslots:innen scheinen eine vielversprechende Möglichkeit zu sein, um die Gesundheitskompetenz von Migrant:innen und Flüchtlingen zu stärken und den gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen zu fördern. Besonders peer-gestützte und kultursensible Ansätze können dazu beitragen, strukturelle Barrieren abzubauen und schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen besser zu unterstützen. Für belastbare Aussagen zur Wirksamkeit und langfristigen Nachhaltigkeit sind jedoch methodisch hochwertige Evaluationsstudien und standardisierte Ergebnismessungen erforderlich. Langfristige Implementierungsstudien wären erforderlich, um die Übertragbarkeit auf das österreichische Gesundheitssystem beurteilen zu können.
AIHTA: Wild, C. und Schönegger, R. (2026): Gesundheitslots:innen für Migrant:innen/Flüchtlinge, Mixed-Method Review. HTA-Projektbericht 180. https://eprints.aihta.at/1613/















