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- Newsletter März 2026 | Nr. 245
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Gesundheitsökonomische Leitlinien: Internationaler Überblick zu Methoden der Kostenerfassung
Grundlage für belastbare Kosten- und Ressourcenschätzungen ist der Prozess der Kostenerfassung („Costing“). Er umfasst die Identifikation der benötigten Ressourcen, die Messung ihrer Mengen sowie ihre monetäre Bewertung („Valuation“ oder „Price Labelling“). Die Untersuchung des AIHTA fasst dazu Leitlinien und Costing-Manuale aus zwölf Ländern zusammen, darunter Australien, Deutschland, England & Wales und die Niederlande. Der Vergleich zeigt deutliche Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede, die auf die jeweiligen Gesundheitssysteme zurückzuführen sind.
Ein stabiler methodischer Kern ist dennoch erkennbar: Die meisten Leitlinien empfehlen den Einsatz gemischter Kalkulationsansätze, etwa „Bottom-Up-Micro-Costing“ und „Top-Down-Macro-Costing“, und definieren konsistent zentrale Kostendomänen. Dazu zählen insbesondere ambulante und stationäre Leistungen – häufig basierend auf Kostensätzen für klinische Behandlungsfälle (DRGs) oder Tagessätzen – sowie Arzneimittel und Medizinprodukte. Große Heterogenität besteht jedoch bei der Erfassung von Kosten außerhalb der direkten medizinischen Versorgung – etwa für Transport oder informelle Pflege – sowie bei der Berücksichtigung indirekter Kosten wie Produktivitätsverlusten. Auch die empfohlene Bewertungsperspektive, beispielsweise die des Gesundheitssystems oder der gesamten Gesellschaft, und weitere methodische Aspekte variieren deutlich.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Entwicklung eines österreichischen Referenzrahmens weit mehr ist als eine rein technische Aufgabe. Unterschiede in der Kostenerfassung spiegeln häufig grundlegende Prioritäten und Wertentscheidungen wider.
Fazit: Die Entwicklung eines österreichischen Referenzrahmens und einer standardisierten Kostenerfassungsmethode kann nicht auf die bloße Übernahme internationaler Praktiken reduziert werden. Sie erfordert explizite konzeptuelle Entscheidungen, ein Bewusstsein für Zielkonflikte und eine sorgfältige Abstimmung auf den österreichischen institutionellen, organisatorischen, rechtlichen und politischen Kontext. Dafür braucht es einen gemeinsamen Prozess, in dem Entscheidungsträger:innen und Expert:innen die methodischen Grundlagen gemeinsam entwickeln.
AIHTA: Strohmaier, C. and Erdos, J. (2026): Health Economic Reference Cases and Costing Approaches – Concepts, International Practices and Implications for Austria. HTA-Projektbericht 174. https://eprints.aihta.at/1601/















