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- Newsletter Juni 2024 | Nr. 228
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Hautkrebsprävention: Leitlinien-Empfehlungen zur Primär- und Sekundärprävention
In der Primärprävention von Hautkrebs geht es in erster Linie um eine Vermeidung übermäßiger Exposition gegenüber solarer und künstlicher UV-Strahlung. Maßnahmen der Sekundärprävention (Früherkennung) sollen Vorstufen oder frühe Stadien von Hautkrebs in der symptomfreien Phase entdecken, um die Morbidität und Mortalität zu vermindern oder zu vermeiden. In den eingeschlossenen evidenzbasierten Leitlinien (n=11) besteht ein breiter Konsens bezüglich empfohlener Maßnahmen der Primärprävention für die Allgemeinbevölkerung und für Risikogruppen; insbesondere physische Sonnenschutzmaßnahmen werden empfohlen. Generell gilt eine Stärkung der Primärprävention als erstrebenswert. In der Sekundärprävention werden sowohl die Selbstuntersuchung der Haut als auch die visuelle Ganzkörperuntersuchung und ein systematisches Hautkrebs-Screening für die asymptomatische Allgemeinbevölkerung aufgrund limitierter Evidenz zu deren Nutzen und Schaden nur von einer (deutschen) Leitlinie empfohlen; ein Rückgang der Melanom-Mortalität infolge des deutschen Programms konnte bislang nicht gezeigt werden. Nur für Risikogruppen empfehlen die Leitlinien weitgehend übereinstimmend sekundärpräventive Maßnahmen wie ein regelmäßiges Monitoring, wobei auch hier die Evidenzbasis für einen Nutzenbeleg limitiert ist. Die Qualität und Aussagekraft der den Leitlinien-Empfehlungen zugrunde liegenden Evidenz variiert stark.
Hingegen steigt das Risiko von Überdiagnosen und Überbehandlung infolge eines regelmäßigen Hautkrebs-Screenings für die asymptomatische Bevölkerung. Eine Einschränkung von Screening-Maßnahmen auf Risikogruppen könnte deren Effizienz und Wirksamkeit erhöhen. Die Identifikation von Risikogruppen gestaltet sich jedoch komplex, ein validiertes Tool fehlt bislang. Internationale gesundheitsökonomische Studien bewerten verschiedene Maßnahmen des Hautkrebs-Screenings als kosteneffektiv, jedoch nicht als kosteneinsparend. Der ökonomische Nutzen primärpräventiver Maßnahmen gilt hingegen als wissenschaftlich belegt. Es besteht nach wie vor Forschungsbedarf zur Wirksamkeit und zum potenziellen Schaden verschiedener Hautkrebs-Präventionsmaßnahmen, insbesondere in Hinblick auf Mortalität, Morbidität, Stadienverschiebung, Überdiagnose und Übertherapie. JM
AIHTA/AT 2024: Hautkrebsprävention: Leitlinien-Empfehlungen zu Primär- und Sekundärprävention. Rapid Review Nr.: 014. https://eprints.aihta.at/1514/.