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- Newsletter Jänner/Februar 2026 | Nr. 244
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Strukturierte Medikationsanalyse bei Polypharmazie
Im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche wurden zwei Umbrella Reviews und drei systematische Reviews randomisierter kontrollierter Studien identifiziert. Die eingeschlossenen Arbeiten waren in Bezug auf Interventionen, Settings und Endpunkte sehr unterschiedlich, wiesen jedoch insgesamt ein niedriges Verzerrungsrisiko auf. Demgegenüber war die Evidenzqualität auf Ebene der zugrunde liegenden Primärstudien überwiegend niedrig bis sehr niedrig.
Anhand von Länderprofilen wurden Implementierungsmodelle, Vergütungssysteme und organisatorische Rahmenbedingungen strukturierter Medikationsanalysen in Österreich, Belgien, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich verglichen. Eine Bewertung der Wirksamkeit war nicht Gegenstand dieses Teils der Analyse.
Zusammenfassend zeigt die verfügbare Evidenz, dass strukturierte Medikationsanalysen insbesondere zur Reduktion potenziell inadäquater Medikation beitragen können. Für zentrale patient:innenrelevante Endpunkte wie Mortalität, Krankenhausaufenthalte, Stürze oder Lebensqualität ist die Evidenz jedoch begrenzt und uneinheitlich. Der Nutzen strukturierter Medikationsanalysen scheint stark von der Intensität, dem Kontext und der Qualität der Umsetzung abzuhängen.
Fazit: Aus HTA-Sicht sind strukturierte Medikationsanalysen vor allem eine Maßnahme zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit und der Versorgungsqualität. Sie gelten jedoch nicht als Intervention mit eindeutig nachgewiesenen Effekten auf zentrale klinische Endpunkte.
Der Bericht enthält weder eine Anleitung zur praktischen Umsetzung noch eine Bewertung der Kosten-Effektivität. Er bietet vielmehr eine evidenzbasierte Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen.
Wenn die nachgewiesenen Effekte als ausreichend angesehen werden, um eine erstattungsfähige, strukturierte Medikationsanalyse einzuführen, sollten klare Prioritäten gesetzt werden: Dazu gehören genau definierte Zielgruppen, standardisierte Bestandteile der Intervention, strukturierte Kommunikationswege zwischen Apotheker:innen und verordnenden Ärzt:innen sowie die konsequente Nutzung digitaler Medikationsdaten.
AIHTA: Jeindl R., Kern-Kim J. (2026): Strukturierte Medikationsanalyse bei Polypharmazie – Systematische Übersichtsarbeit. HTA-Projektbericht 175. https://eprints.aihta.at/1600/















