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- Newsletter Jänner/Februar 2026 | Nr. 244
- Enzymersatztherapien bei ausgewählten lysosomalen Speicherkrankheiten
Enzymersatztherapien bei ausgewählten lysosomalen Speicherkrankheiten
Für diese Erkrankungen stehen unterschiedliche zugelassene ERT-Produkte zur Verfügung, die sich hinsichtlich des Wirkstoffs, der Dosierung und des Anwendungsintervalls unterscheiden. Die ERT wird meist im Abstand von ein bis zwei Wochen im Krankenhaus verabreicht. Bei manchen Patient:innen wird die ERT auch zu Hause als sog. Heiminfusionstherapie durchgeführt. Folgende ERTs wurden in der Übersichtsarbeit berücksichtigt:
- Idursulfase (Elaprase®) zur Behandlung von MPS II (Hunter-Syndrom).
- Elosulfase alfa (Vimizim®) zur Behandlung von MPS IVA (Morquio-A-Syndrom).
- Alglucosidase alfa (Myozyme®) und Avalglucosidase alfa (Nexviadyme®) zur Behandlung von Morbus Pompe
- Laronidase (Aldurazyme®) zur Behandlung von MPS I.
Insgesamt wurden vier Studien zu Laronidase (MPS I), 11 zu Idursulfase (MPS II), vier zu Elosulfase alfa (MPS IVA), 25 Studien zu Alglucosidase alfa sowie drei zu Avalglucosidase alfa bei Morbus Pompe eingeschlossen. Alle Publikationen berichten prospektive Studien (entweder nicht-randomisiertes kontrolliertes oder einarmiges Design). Es wurden keine randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zu Langzeitdaten gefunden.
Die verfügbaren Studien zeigen große Unterschiede in den erhobenen Endpunkten auf und standardisierte Messgrößen fehlen häufig, wodurch die Beurteilung der tatsächlichen klinisch relevanten Wirksamkeit eingeschränkt ist. Aufgrund der meist kleinen, unkontrollierten Studien, der heterogenen Studiendesigns, methodischer Einschränkungen und der fehlenden Vergleichbarkeit der Studien ist die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz insgesamt sehr gering. Eine zuverlässige, abschließende Bewertung der langfristigen Wirksamkeit – einschließlich möglicher Effekte auf Überleben, Atemfunktion und Lebensqualität – ist daher für die untersuchten ERTs derzeit nicht möglich.
Über alle betrachteten lysosomalen Speicherkrankheiten hinweg, werden Enzymersatztherapien (ERT) im Allgemeinen gut vertragen. Die meisten Nebenwirkungen sind mild bis moderat, wie Infusionsreaktionen mit Hautausschlag, Fieber, vorübergehende Atembeschwerden oder Kopfschmerzen. Schwerwiegende therapiebezogene Ereignisse wurden selten berichtet.
Fazit: Aufgrund fehlender robuster und standardisierter Langzeitdaten erfordert der Einsatz von ERT eine sorgfältige Indikationsstellung, eine strukturierte Überwachung (Monitoring) und Dokumentation mit Erhebung von standardisierten Endpunkten sowie definierte Kriterien für die Fortführung oder den Abbruch der Therapie, um eine qualitätsgesicherte, patient:innenorientierte und evidenzbasierte Versorgung gewährleisten zu können.
AIHTA: Pantovic A., Malíková E., Erdos J., Geiger-Gritsch S. (2025): Long-Term Effectiveness and Safety of Enzyme Replacement Therapy in Mucopolysaccharidoses Type I, II, IVA and Pompe Disease: Systematic Review. AIHTA Decision Support Documents No. 169. https://eprints.aihta.at/1599/















