Gesundheitslots:innen
Projektleitung: Claudia Wild
Projektbearbeitung: Claudia Wild, Romy Schönegger
Laufzeit: Q1 2026 bis Q2 2026
Sprache: Deutsch
Hintergrund:
Gesundheitslots:innen (engl. health or patient navigators [1, 2]) sind geschulte Personen, die Menschen beim Zugang zum Gesundheitssystem unterstützen und als niedrigschwellige Ansprechpersonen fungieren. Ziel ist es, Chancengleichheit zu erhöhen, d.h. Zugangsbarrieren zu senken sowie Prävention zu fördern.
Konkret sind die Hauptaufgaben von Gesundheitslots:innen:
- Orientierung im Gesundheitssystem zu geben,
- Gesundheitskompetenz zu stärken,
- Sprach- und Kulturbarrieren zu überbrücken sowie
- Informationen zu lokalen Gesundheitsförderungs-, Präventions- und Beratungsangeboten bereitzustellen.
Die Gesundheitslots:innen arbeiten oft ehrenamtlich, in Projekten oder bei kommunalen Initiativen. Die Träger der Initiativen sind Gemeinden und/oder karitative Institutionen. Sie vermitteln die Informationen in verschiedenen Sprachen und fungieren als Ansprechpartner in ihren Gemeinschaften.
In Österreich existiert nur ein derartiges Gesundheitsprojekt: die „Gesundheitslots:innen“ der Volkshilfe Wien [3]. Es besteht bereits seit 2012. Im Vergleich dazu laufen in Deutschland zahlreiche Projekte (ca. 15) in Großstädten (Leipzig, Bremen, Essen etc.), aber auch in regionalen Verbünden (Wümme-Wieste-Niederung, Rhein-Erft-Kreis, etc.). Gesundheitslots:innen werden dabei als wichtige Brückenbauer:innen gesehen, um Gesundheitsinformationen niedrigschwellig zu verbreiten und die Chancengleichheit im Gesundheitswesen zu verbessern [4].
Projektziele:
Es ist das Ziel, die Erfahrungen und Ergebnisse (Reichweite, Aufgabenbereiche, initiierte Aktivitäten) aus Gesundheitslots:innen-Projekten, die sich an Migrant:innen richten, systematisch zusammenzufassen.
Es ist nicht die Zielsetzung des Projektes, das Volkshilfe-Projekt zu evaluieren.
Es ist auch nicht die Zielsetzung, Gesundheitslots:innen-Projekte, für andere Zielgruppen (etwa Steuerung und Koordination von Menschen mit komplexen und chronischen Erkrankungen wie Krebs sowie Beeinträchtigungen oder sozial benachteiligten Gruppen im algemeinen) zu bewerten.
Forschungsfragen:
Folgende Forschungsfragen (FF) sollen beantwortet werden:
- FF1: Welche Erfahrungsberichte (Reichweite, zu Aufgabenbereichen, zu initiierten Aktivitäten etc.) lassen sich aus öffentlich verfügbaren Dokumenten internationaler Projekte mit Gesundheitslots:innen identifizieren?
- FF2: Was sind die Zielsetzungen und woran kann die Erreichung der Zielsetzungen gemessen/ausgemacht werden?
- FF3: Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede (in den Aufgabenbereichen und den initiierten Aktivitäten), die die Wirkung beeinflussen können?
Methoden:
Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden folgende Methoden verwendet:
FF1 und FF2:
- Systematische Literatursuche in mehreren Datenbanken nach publizierten Artikeln sowie systematische Synthese der identifizierten Dokumente.
- Ergänzende Webrecherche nach Gesundheitslots:innen-Projekten im deutschsprachigen Raum; Anschreiben an Initiativen zur Identifikation von Evaluations- und Jahresberichten. Ggf. gezielte Nachfragen per Mail.
FF3:
- Analyse der Materialien hinsichtlich Gemeinsamkeiten, Unterschieden, Effekten und Erhebungsinstrumenten.
PICOS-Tabelle:
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Population |
Migrant:innen (immigrierte Personen, unabhängig vom Aufenthaltstitel) |
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Intervention |
Geschulte (migrantische) Gesundheitslots:innen als Mediator:innen |
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Kontrolle |
Keine Intervention |
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Outcomes |
Primäre Endpunkte
Sekundäre Endpunkte
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Studiendesign |
jegliches |
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Länder |
Sozialversicherungssysteme: für Erfahrungen, Jegliche: für Ergebnismessung |
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Sprachen |
Deutsch, Englisch |
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Ausschluss |
P: Chronisch Kranke, Beeinträchtigte, sozial benachteiligte nicht-migrantische Gruppen (Krebs, Behinderungen, Obdachlose, etc.) |
Zeitplan:
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Period |
Tasks |
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Februar 2026 |
Scoping und Finalisierung des Projektprotokolls |
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Februar 2026 |
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März bis April 2026 |
Datenextraktion und Qualitätsbewertung, ggf. Survey |
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Mai 2026 |
Verschriftlichung |
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Juni 2026 |
Interner und externer Review |
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Anfang Juli 2026 |
Layout & Veröffentlichung |
Referenzen:
[1] Budde H, Williams GA, Scarpetti G, et al. What are patient navigators and how can they improve integration of care? [Internet] Copenhagen (Denmark): European Observatory on Health Systems and Policies; 2022. (Policy Brief, No. 44.)
[2] Budde H, Williams GA, Winkelmann J, Pfirter L, Maier CB. The role of patient navigators in ambulatory care: overview of systematic reviews. BMC Health Services Research (2021) 21:1166 https://doi.org/10.1186/s12913-021-07140-6
[3] Volkshilfe Wien: https://www.volkshilfe-wien.at/angebote-services/asyl-migration-integration/saneas-gesundheitslotsinnen/
[4] Schade M, Lang SA, Stenzel S. Strengthening Health Literacy of Vulnerable Groups—Introduction of Two New Modules Within the Communal Health Guides Intercultural in Frankfurt am Main Project. Health Literacy Research and Practice (HLRP), 2022;6(3):e239–e246















