Maßnahmen zur Reduktion von Gewichtsstigmatisierung von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht oder Adipositas im Bildungswesen
Projektleitung: Julia Kern-Kim
Projektbearbeitung: Julia Kern-Kim, Lucia Gassner
Laufzeit: Q1 2026 bis Q4 2026 (5 PM)
Sprache: Deutsch (mit englischer Zusammenfassung)
Hintergrund:
Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wiesen im Jahr 2022 weltweit 20 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis 19 Jahren Übergewicht (inklusive Adipositas) auf [1]. Betrachtet man ausschließlich Adipositas, wurde eine Prävalenz von 8 % bei Kindern und Jugendlichen festgestellt. Die Zahlen aus der Childhood Obesity Surveillance Initiative (COSI-) Erhebung 2022/23 für Österreich zeigen eine ähnliche Tendenz, mit 18 % der Jungen und Mädchen im Alter von acht bis neun Jahren mit Übergewicht und 16 % der Jungen bzw. 8 % der Mädchen mit Adipositas [2]. Noch höhere Prävalenzraten sind in der Erwachsenenpopulation zu verzeichnen [1]. Zudem zeigt sich eine höhere Betroffenheit unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder einem niedrigeren sozioökonomischen Status [3, 4].
Gewichtsstigmatisierung kann als die gesellschaftliche Abwertung von Personen aufgrund ihres Körpergewichts definiert werden. Gewichtsvorurteile sind negative Überzeugungen gegenüber Personen aufgrund ihres Gewichts. Gewichtsdiskriminierung entsteht, wenn solche Vorurteile das Verhalten von Menschen beeinflussen [5]. Viele Jugendliche geben an, wegen ihres Gewichts benachteiligt zu werden - meistens durch Gleichaltrige oder in der Schule [6]. Die Stigmatisierung äußert sich u.a. im Verhalten als Mobbing, wobei Kinder und Jugendliche mit Übergewicht oder Adipositas häufiger als Opfer, aber auch als Täter, betroffen sind [7, 8]. Stigmatisierung kann jedoch auch durch Lehrkräfte erfolgen, was sich durch schlechtere Schulnoten bei gleicher Leistung oder der Einstellung, dass Schüler:innen mit mehr Gewicht „langsamer“ sind, manifestieren kann [9].
Stigmatisierungserfahrungen aufgrund des Gewichts beeinflussen die physische, psychische und soziale Gesundheit. Solche Erfahrungen können demnach nicht nur im Jugendalter zu einer weiteren Gewichtszunahme, sondern auch zu einem höheren Gewicht im Erwachsenenalter, führen [9, 10]. Zusätzlich leiden Kinder und Jugendliche mit gewichtsstigmatisierenden Erfahrungen häufiger an Depressionen, Ängsten und haben ein höheres Risiko für Selbstverletzung oder Suizidalität [9].
Da Schule für Kinder und Jugendliche einen zentralen Lebensbereich darstellt und Stigmatisierungserfahrungen dort besonders häufig auftreten, fokussiert sich dieser Bericht auf dieses Setting. Gezielte Maßnahmen in Bildungseinrichtungen können daher ein vielversprechendes Ansatzfeld bieten, um Gewichtsstigmatisierung frühzeitig zu reduzieren und die betroffenen Kinder und Jugendlichen nachhaltig zu schützen.
Projektziele:
Aufgrund der hohen Prävalenz von Gewichtsstigmatisierung, insbesondere im schulischen Kontext, und ihrer weitreichenden negativen Auswirkungen sind Maßnahmen zu deren Reduktion erforderlich. Ziel dieses Projekts ist demnach, eine systematische Übersicht zu wissenschaftlich untersuchten und empfohlenen Interventionen zur Reduktion von Gewichtsstigmatisierung von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht oder Adipositas im Bildungssektor zu erstellen und die Wirksamkeit dieser Interventionen zu untersuchen.
Nicht-Ziele:
Es wird keine Übersicht zu Maßnahmen zur Reduktion von Gewichtsstigmatisierung von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht oder Adipositas im Gesundheitssektor gemacht. Diese Fragestellung war Teil des Berichts von 2024, bei dem keine spezifische Literatur zu Kindern und Jugendlichen identifiziert wurde [5].
Vor diesem Hintergrund sollen zwei Forschungsfragen beantwortet werden:
Forschungsfragen:
- Welche Maßnahmen werden in wissenschaftlichen Studien und Leitlinien zur Reduktion von Gewichtsstigmatisierung bei Kindern und Jugendlichen in Bildungssektor angewendet oder empfohlen?
- Wie wirksam sind Maßnahmen zur Reduktion von Gewichtsstigmatisierung von Kindern und Jugendlichen in Bildungssektor?
Methoden:
Empfehlungen und Charakteristika der Maßnahmen: Synopse aus Leitlinien, grauer Literatur und publizierten Studien
Zur Beantwortung der ersten Forschungsfrage wird eine systematische Literatursuche in mehreren Datenbanken nach Übersichtsarbeiten (ggf. auch Primärstudien) durchgeführt. Ergänzend erfolgt eine gezielte Handsuche nach evidenzbasierten Leitlinien, sowie publizierten Konsens- bzw. Positionspapieren. Nach der Literaturauswahl werden die angewendeten bzw. empfohlenen Maßnahmen und ihre Charakteristika in Tabellen extrahiert und die Ergebnisse narrativ zusammengefasst. Es erfolgt keine systematische Qualitätsbewertung der ausgewählten Literatur, da der Fokus hier auf den empfohlenen Strategien an sich und nicht ihrer Effektivität liegt. Die Studienselektion und die Datenextraktion erfolgen nach dem Vier-Augen-Prinzip durch zwei Autorinnen (JKK und LG).
Wirksamkeit der Maßnahmen: Systematische Übersichtsarbeit
Die Treffer der systematischen Suche zur ersten Forschungsfrage werden ebenfalls für das Screening für die zweite Forschungsfrage herangezogen. Abhängig davon, ob eine ausreichende Anzahl an systematischen Übersichtsarbeiten identifiziert, werden können, werden Primärstudien berücksichtigt oder nicht. Es werden die Studiencharakteristika und die Wirksamkeitsendpunkte der Maßnahmen zur Reduktion von Gewichtsstigmatisierung von Kindern und Jugendlichen im Bildungssektor extrahiert. Zudem wird die Qualität der Literatur bewertet. Die Ergebnisse werden narrativ zusammengefasst. Die Studienauswahl, Extraktion und Qualitätsbewertung erfolgen nach dem Vier-Augen-Prinzip und werden jeweils von denselben Autorinnen (JKK und LG) durchgeführt.
PICOS-Tabelle:
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Population |
Schlüsselworte: weight bias/stigma*/discrimination; obesity bias/stigma*/discrimination; fat phobia; anti-weight bias; sizeism |
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Intervention |
Maßnahmen … … die zur Reduktion von Gewichtsstigmatisierung im Bildungssektor eingesetzt werden können, bzw. … um einen stigma-freien Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht oder Adipositas im Bildungssektor zu erreichen. |
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Kontrolle |
- |
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Outcomes |
Forschungsfrage 1:
Forschungsfrage 2:
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Studiendesign |
Forschungsfrage 1:
Forschungsfrage 2:
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Länder |
Globaler Norden |
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Sprachen |
Deutsch, Englisch und ggf. andere Nationalsprachen für Forschungsfrage 1a |
Anmerkungen: a abhängig davon, wie viele Leitlinien und publizierte Positions- und Konsenspapiere in Deutsch oder Englisch identifiziert werden, werden zusätzlich Leitlinien bzw. Papiere in Originalsprache ein- oder ausgeschlossen. Bei Einschluss werden die Texte mit Hilfe eines Online-Tools übersetzt.
Zeitplan
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Period |
Tasks |
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Q1 2026 |
Scoping und Finalisierung des Projektprotokolls |
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Q2 2026 |
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Q2 2026 |
Datenextraktion und Qualitätsbewertung |
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Q2 2026 |
Verschriftlichung |
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Q3 2026 |
Interner und externer Review |
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Q3-Q4 2026 |
Layout & Veröffentlichung |
Referenzen:
[1] World Health Organization. Obesity and overweight. 2025 [updated 2025/12/08; cited 04.03.2026]. Available from: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight.
[2] Felder-Puid R. and Teufl L. Childhood Obesity Surveillance Initiative (COSI). Ergebnisbericht O?sterreich 2023. Wien: 2024. Available from: https://jasmin.goeg.at/id/eprint/3844/.
[3] Felder-Puig R., Teufl L. and Winkler R. Gewichtsstatus und Körperselbstbild von österreichischen Jugendlichen. HBSC Factsheet 02 aus Erhebung 2021/22. Wien: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK), 2023. Available from: https://jasmin.goeg.at/id/eprint/3043/.
[4] Hoebel J., Waldhauer J., Blume M. and Schienkiewitz A. Socioeconomic Status, Overweight, and Obesity in Childhood and Adolescence. Dtsch Arztebl International. 2022;119(49):839-845. DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0326.
[5] Wolf S. and Kern J. Strategien zur Reduktion von Gewichtsstigmatisierung bei Personen mit U?bergewicht oder Adipositas im Gesundheitswesen. Wien: HTA Austria – Austrian Institute for Health Technology Assessment GmbH, 2024 Report No. 160. Available from: https://eprints.aihta.at/1547/.
[6] Anastasiadou D., Tárrega S., Fornieles-Deu A., Moncada-Ribera A., Bach-Faig A. and Sánchez-Carracedo D. Experienced and internalized weight stigma among Spanish adolescents. BMC Public Health. 2024;24(1):1743. DOI: 10.1186/s12889-024-19246-7.
[7] Chen H. and Ye Y. A Three-Level Meta-Analysis on the Relation of Overweight or Obesity to Bullying Behavior Among Youths. Psychology in the Schools. 2025;62(10):3747-3766. DOI: https://doi.org/10.1002/pits.23540.
[8] Thompson I., Hong J. S., Lee J. M., Prys N. A., Morgan J. T. and Udo-Inyang I. A review of the empirical research on weight-based bullying and peer victimisation published between 2006 and 2016. Educational Review. 2020;72(1):88-110. DOI: 10.1080/00131911.2018.1483894.
[9] Puhl R. M. and Lessard L. M. Weight Stigma in Youth: Prevalence, Consequences, and Considerations for Clinical Practice. Current Obesity Reports. 2020;9(4):402-411. DOI: 10.1007/s13679-020-00408-8.
[10] Gmeiner M. S. and Warschburger P. Interrelation between weight and weight stigma in youth: is there evidence for an obesogenic vicious cycle? European Child & Adolescent Psychiatry. 2023;32(4):697-704. DOI: 10.1007/s00787-021-01922-3.















