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- Newsletter Mai 2026 | Nr. 247
- Musiktherapie bei problematischem Substanzkonsum: Wie lässt sich die langfristige Wirkung messen?
Musiktherapie bei problematischem Substanzkonsum: Wie lässt sich die langfristige Wirkung messen?
Nach einer systematischen Literatursuche wurden sieben systematische Übersichtsarbeiten eingeschlossen. Basierend auf vorab definierten Auswahlkriterien – darunter Verwendungshäufigkeit, validierte und zuverlässige psychometrische Eigenschaften sowie die Abdeckung aller identifizierten Outcome-Parameter – wurden 14 Messinstrumente für eine detaillierte Analyse ausgewählt. In einer ergänzenden Handsuche wurden weitere 13 Instrumente zur Erfassung sozioökonomischer Outcomes identifiziert. Neun halbstrukturierte Interviews mit Betroffenen aus Österreich, Norwegen und Polen wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet, um die Perspektive der Patient:innen einzubeziehen.
In den sieben eingeschlossenen Übersichtsarbeiten wurden mehr als 60 Endpunkte in elf Parametern identifiziert, darunter Substanzkonsum, Genesung, Substanzverlangen, Motivation, Lebensqualität, Stimmung sowie soziale und sozioökonomische Parameter. Es wurden keine Instrumente zur Erfassung (schwerwiegender) unerwünschter Ereignisse identifiziert. Ein klinisch bedeutsamer Schwellenwert wurde lediglich für Depression und nicht spezifisch für SUD-Populationen ermittelt. Instrumente, die stabile Konstrukte wie Depression, Problemschwere und Selbstwirksamkeit erfassen, erwiesen sich als für Langzeitmessungen am besten geeignet. Wesentliche Einschränkungen umfassen Verzerrungen durch Selbstbeurteilung, Herausforderungen bei der kulturellen Adaptation sowie Schulungsanforderungen für von Fachpersonal angewandte Instrumente. Die Interviews mit Betroffenen zeigten, dass soziale Parameter mit Abstand am häufigsten genannt wurden. Eine vertiefende latente Inhaltsanalyse identifizierte vier wiederkehrende narrative Muster rund um soziale Ausgrenzung, Konsumzyklen und Genesung. Kinder, Haustiere und Erwerbstätigkeit traten dabei als zentrale Faktoren sozialer Wiedereingliederung hervor.
Fazit: Validierte Messinstrumente für Musiktherapie bei SUD sind vorhanden, weisen jedoch wesentliche Lücken auf, wie etwa fehlende SUD-spezifische Schwellenwerte, begrenzte Langzeitevidenz, fehlende Protokolle zur Erfassung unerwünschter Ereignisse sowie eine systematische Untererfassung sozialer Genesung. Künftige Forschung sollte Langzeit-Follow-up-Studien, konsensbasierte Core Outcome Sets sowie kulturell angepasste Instrumente priorisieren, die soziale und sozioökonomische Dimensionen einbeziehen. Ein partizipativer Mixed-Methods-Ansatz wird empfohlen, bei dem die Perspektiven von Betroffenen von Beginn an in die Auswahl von Messinstrumenten und Studiendesigns einfließen.
AIHTA: Gassner, L., Makurat, D., Svendsen, T.S., Bidzan-Bluma, I., Magel, F., Karshikoff, B., Erga, A.H., Bieleninik L (2026): Musiktherapie: Klinische und sozioökonomische Outcomes sowie Langzeitmessinstrumente bei Substanzgebrauchsstörungen. HTA-Projektbericht 178. https://eprints.aihta.at/1607/















