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- Newsletter Jänner/Februar 2026 | Nr. 244
- UK: Regierung beschließt Anhebung der Schwellenwerte zur Bewertung neuer Arzneimittel
UK: Regierung beschließt Anhebung der Schwellenwerte zur Bewertung neuer Arzneimittel
Bislang lag der Standard-Schwellenwert in Großbritannien bei 20.000 bis 30.000 Pfund pro zusätzlich gewonnenem qualitätsadjustiertem Lebensjahr (QALY). Empirische Berechnungen britischer Forscher:innen stuften diesen Wert als zu hoch ein. Ein zu hoher Schwellenwert führt dazu, dass systematisch Therapien finanziert werden, mit denen die Bevölkerung unterm Strich Gesundheit verliert – die Opportunitätskosten übersteigen den Nutzen. Künftig soll der Schwellenwert bei 25.000 bis 35.000 Pfund pro QALY liegen. Wissenschafter:innen kritisieren, dass diese Anhebung willkürlich und ohne empirische Fundierung erfolgte und damit die Kosteneffektivitätsanalyse zu einem Alibi-Instrument statt zu einer echten Entscheidungsgrundlage verkommt.
Die britische Regierung begründet die Erhöhung des Schwellenwerts damit, dass sie den Standort für Pharmaunternehmen attraktiver machen möchte und sicherstellen will, dass neue Behandlungen schneller bei den Patient:innen ankommen. Das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) – das die Bewertungen der Kosteneffektivität durchführt – betont, dass neben den Schwellenwerten weiterhin die Erfahrungen von Patient:innen, die Einschätzung von Fachleuten sowie Daten aus dem Versorgungsalltag eine wichtige Rolle spielen werden. Bereits heute empfiehlt NICE nach eigenen Angaben rund 91?% der bewerteten Medikamente, etwa 70 pro Jahr. Durch die neuen Schwellenwerte könnten jährlich 3 bis 5 zusätzliche Medikamente oder neue Anwendungsgebiete hinzukommen.
Seit der Gründung von NICE vor 26 Jahren wurde der zentrale Kosten-Effektivitäts-Schwellenwert noch nie angepasst. Allerdings gab es auch bereits in der Vergangenheit deutliche Spielräume nach oben, etwa für besonders schwere Erkrankungen (z. B. Neuroblastom) oder für Krankheiten, bei denen erhebliche gesundheitliche Ungleichheiten bestehen (z. B. Sichelzellanämie). Für besonders seltene Krankheiten konnten die Preise sogar bis zum Zehnfachen des Basiswertes – also 100.000 bis 300.000 Pfund pro QALY – steigen.
Neben den Schwellenwerten wird das NICE auch das Schema zur Bewertung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität adaptieren. Dabei geben Vertreter:innen aus der Bevölkerung ihre Einschätzung zu unterschiedlichen Gesundheitszuständen ab. Die Auswertungen dienen in ökonomischen Berechnungen dazu, unterschiedliche Behandlungen miteinander zu vergleichen und deren Auswirkungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität besser beurteilen zu können.
Referenzen:
https://www.nice.org.uk/news/articles/changes-to-nice-s-cost-effectiveness-thresholds-confirmed
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s40273-025-01579-9.pdf
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168851023000854
https://link.springer.com/article/10.1007/s40258-025-01026-y















