AIHTA-Bericht: Kombinationstherapien für fortgeschrittenen Lungenkrebs auf dem Prüfstand

Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC) macht rund 85 % aller Fälle von Lungenkrebs aus und ist mit einer ungünstigen Prognose verbunden. Etwa 11 % der NSCLC-Patient:innen in Europa weisen eine Veränderung des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGFR-Mutation) auf. Für die Erstlinienbehandlung des fortgeschrittenen NSCLC mit den häufigsten EGFR-Mutationen stehen unter anderem Amivantamab plus Lazertinib sowie Osimertinib plus platinbasierte Chemotherapie zur Verfügung. Das AIHTA hat die klinischen, gesundheitsökonomischen und organisatorischen Aspekte beider Therapieoptionen aus österreichischer Perspektive bewertet.

Es gibt keine direkte Vergleichsstudie, in der Amivantamab plus Lazertinib versus Osimertinib plus Chemotherapie untersucht wurde. Die Bewertung stützte sich daher primär auf einen naiven indirekten Vergleich zweier zulassungsrelevanter Studien, in denen jeweils die entsprechende Kombinationstherapie mit einer Osimertinib-Monotherapie verglichen wurde. Diese Studien zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit den beiden neuen Kombinationstherapien länger ohne Fortschreiten ihrer Erkrankung (progressionsfreies Überleben) leben konnten. Mit Amivantamab plus Lazertinib dauerte es im Median 23,7 Monate, mit Osimertinib plus Chemotherapie 25,5 Monate, bis die Krankheit wieder fortschritt. Unter Osimertinib allein waren es etwa 17 Monate. Beide Kombinationstherapien verlängerten zudem die Ansprechdauer und zeigten mit 83–86 % ähnlich hohe objektive Ansprechraten.

Beim Gesamtüberleben, also der Zeit, die die Patient:innen insgesamt nach Beginn der Behandlung lebten, zeigten sich ebenfalls positive Ergebnisse. Für die Therapie mit Amivantamab plus Lazertinib konnte zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht berechnet werden, wann die Hälfte der behandelten Personen verstorben war, was auf ein weiterhin anhaltendes Überleben hindeutet. Unter Osimertinib plus Chemotherapie betrug das mediane Gesamtüberleben 47,5 Monate, gegenüber 37,6 Monaten unter Osimertinib allein. Aufgrund unterschiedlich langer Beobachtungszeiträume und der methodischen Unsicherheiten indirekter Vergleiche lässt sich nicht verlässlich sagen, welche der beiden Kombinationstherapien beim Gesamtüberleben bessere Ergebnisse erzielt. Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität fehlen für beide Therapien.

Schwere unerwünschte Ereignisse traten unter beiden Kombinationstherapien häufig auf. Unter Amivantamab plus Lazertinib standen vor allem infusionsbedingte Reaktionen, Hauttoxizitäten und venöse Thromboembolien im Vordergrund, während unter Osimertinib plus Chemotherapie überwiegend hämatologische Nebenwirkungen beobachtet wurden.

Für die gesundheitsökonomische Bewertung wurden zwei Kosten-Effektivitätsanalysen des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) und der Canada’s Drug Agency (CDA-AMC) herangezogen. Sie kamen beide zu dem Schluss, dass ein wirtschaftlicher Vorteil von Amivantamab plus Lazertinib auf Basis der dort verfügbaren Preise nicht nachgewiesen werden kann.

In Österreich würden bei einer angenommenen Zahl von rund 140 neu behandelten Patient:innen pro Jahr für die vollständige Behandlung mit Amivantamab plus Lazertinib im Vergleich zu Osimertinib plus Chemotherapie zusätzliche jährliche Ausgaben von etwa 11 Millionen Euro entstehen. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um Schätzungen. Die tatsächlichen Kosten hängen unter anderem von der Behandlungsdauer, dem Einsatzumfang der Therapien sowie den letztlich vereinbarten Preisen ab.

Die beiden Behandlungen unterscheiden sich deutlich im organisatorischen Aufwand. Während Osimertinib plus Chemotherapie auf etablierten Abläufen der intravenösen Tumortherapie basiert, erfordert Amivantamab plus Lazertinib eine zusätzliche medikamentöse Vorbehandlung, längere Verabreichungszeiten sowie eine engmaschige Überwachung, unter anderem aufgrund des erhöhten Thromboserisikos. Die neue Verabreichung von Amivantamab als Injektion unter die Haut kann den Zeit- und Ressourcenaufwand für die Arzneimittelgabe im Krankenhaus reduzieren. Die Vorbehandlungen und das Monitoring sind jedoch weiterhin erforderlich.

Fazit: Die verfügbare Evidenz zeigt derzeit keinen gesicherten klinischen Vorteil von Amivantamab plus Lazertinib gegenüber Osimertinib plus Chemotherapie. Die Evidenzbasis ist jedoch aufgrund fehlender direkter Vergleichsstudien weiterhin mit Unsicherheit behaftet. Gleichzeitig ist Amivantamab plus Lazertinib mit höheren Kosten und zusätzlichen organisatorischen Anforderungen im Krankenhaus verbunden. Weitere Daten, insbesondere zum Gesamtüberleben im direkten Vergleich, zur Lebensqualität und aus der klinischen Routineversorgung, werden für eine abschließende Beurteilung benötigt. Österreichische Registerdaten (LALUCA Register) könnten künftig dazu beitragen, die Evidenz der Anwendung unter Routinebedingungen zu ergänzen.

Malíková, E. und Erdos, J. (2026): Amivantamab plus Lazertinib versus Osimertinib plus Chemotherapie zur Erstlinienbehandlung von fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. HTA-Projektbericht 184. https://eprints.aihta.at/1622/